Zweite wirft Kreisoberligisten raus

Ein Kreisoberligist zu Gast, ein Spiel nahezu auf Augenhöhe – und am Ende überwintert die Kremmener Reserve im Kreispokal. Der FC Kremmen II ließ sich vom Zwei-Klassen-Unterschied gegen die TSG Fortuna 21 Grüneberg kaum etwas anmerken und belohnte einen konzentrierten, abgeklärten Auftritt mit einem 3:2-Erfolg. Während die Gäste zunächst überraschend abwartend agierten, übernahm die Mannschaft von Trainer Nils Hildebrandt früh die Initiative und bekam dadurch Sicherheit in ihr Spiel. Schon die erste Ecke brachte den gewünschten Ertrag: Florian Hornemann servierte präzise in den Strafraum, wo Christoph Turkoska hochstieg und zur frühen 1:0-Führung einköpfte (12.). Grüneberg benötigte allerdings nicht lange für eine Antwort.

Der Ausgleich entstand weniger aus spielerischer Überlegenheit als aus einer Unstimmigkeit in der Kremmener Hintermannschaft. Conner Schubert und Torhüter Marko Reiter waren sich bei einer Hereingabe von rechts nicht einig, der Ball rutschte durch und Konstantin Kramer musste aus kurzer Distanz nur noch zum 1:1 einschieben (18.). Am grundsätzlichen Bild änderte das wenig. Die größeren Spielanteile lagen weiterhin bei den Hausherren, die den favorisierten Kreisoberligisten beschäftigten und ihm kaum Gelegenheit gaben, die vermeintliche individuelle Qualität auszuspielen. Ein Klassenunterschied war jedenfalls nicht zu erkennen. Statt sich vom Gegentor beeindrucken zu lassen, blieb der FCK in seiner Ordnung und hielt das Geschehen bis zum Pausenpfiff offen.

Nach dem Seitenwechsel investierte Grüneberg zwar etwas mehr in die Offensive, doch Kremmen hielt dagegen und wartete geduldig auf seine Möglichkeiten. Eine davon ergab sich nach einer scharfen Hereingabe von links, die Lucas Heidel im Strafraum nur mit der Hand vor dem einschussbereiten Turkoska stoppen konnte. Den fälligen Strafstoß übernahm Mike Koger und verwandelte sicher zur erneuten Führung (69.). Wenig später musste Heidel verletzungsbedingt ausgewechselt werden; der FC Kremmen wünscht dem Grüneberger Spieler auf diesem Wege gute Besserung und eine schnelle Genesung (75.). Auch anschließend blieb die Partie eng, ohne dass die FCK-Reserve ihre Linie verlor.

Neun Minuten vor dem Ende entstand dann jener Treffer, der wohl noch länger für Gesprächsstoff sorgen dürfte. Philipp Pfaff erahnte einen gegnerischen Pass rund zehn Meter vor dem eigenen Strafraum, spritzte dazwischen und drosch die Kugel energisch nach vorne, eigentlich in der Hoffnung, damit einen schnellen Konter einzuleiten. Doch das Spielgerät wurde länger und länger, während TSG-Schlussmann Henrik Schmidt die Flugbahn offenbar falsch einschätzte. Beim Versuch, den Ball aufzunehmen, ließ er ihn schließlich ins eigene Tor rutschen – aus dem Befreiungsschlag war auf kuriose Weise das 3:1 geworden (81.). Kremmen hatte sich damit einen wertvollen Zwei-Tore-Puffer für die Schlussphase erarbeitet.

Geschlagen gab sich der Kreisoberligist dennoch nicht. Grüneberg erhöhte noch einmal das Risiko und brachte bei einer späten Ecke sogar Keeper Schmidt mit nach vorne. Ausgerechnet der zuvor unglücklich am dritten Gegentreffer beteiligte Torhüter machte seinen Fehler teilweise wieder gut, stieg im Strafraum am höchsten und köpfte wuchtig zum 3:2-Anschlusstreffer ein (89.). Damit war für die letzten Minuten noch einmal Spannung garantiert. Der FCK reagierte jedoch bemerkenswert abgeklärt, verteidigte konsequent und ließ auch während der vierminütigen Nachspielzeit keine ernsthafte Ausgleichschance mehr zu. Aus einer möglichen hektischen Schlussphase wurde so vielmehr ein Beleg dafür, wie reif die Mannschaft den Vorsprung über die Zeit brachte.

Mit dem Schlusspfiff war die nächste Pokalüberraschung perfekt. Schon in der ersten Runde hatte Kremmens Zweite mit dem 4:1 gegen Wandlitz II einen höherklassigen Gegner ausgeschaltet, nun musste auch der in der Kreisoberliga spielende Grüneberger Erstvertretung die Segel streichen. Gerade weil über weite Strecken keinerlei Klassenunterschied zu erkennen war, ging der Erfolg keineswegs nur als glücklicher Pokalcoup durch. Die Hildebrandt-Elf hatte mehr Spielanteile, setzte ihre Treffer in den richtigen Momenten und behielt selbst nach dem späten Anschluss die Ruhe. Der Lohn: Der FC Kremmen II steht in der nächsten Runde und überwintert im Kreispokal.

FCK II: Reiter – Melchert, Pfaff, S. Schubert, Olianetskyi, Prahl, Koger, C. Schubert, Wörtzel (67. Kultau), F. Hornemann (90.+2 Zschiesche), Turkoska