Später Elferschock kostet Sieg

Der erste Auswärtssieg in Schönow seit der Kreisfusion war zum Greifen nah, doch in der Nachspielzeit wurde der FC Kremmen noch um den vollen Lohn einer starken Vorstellung gebracht. Beim favorisierten BSV Rot-Weiß Schönow, seit Jahren in der Spitzengruppe der Landesklasse Nord etabliert, bewies der Aufsteiger eindrucksvoll seine Konkurrenzfähigkeit. Zweimal gerieten die Schwarz-Weißen in Rückstand, ehe sie die Partie mit einem Doppelschlag sogar drehten. Erst ein umstrittener Foulelfmeter in der Schlussphase verhinderte den Auswärtscoup und bescherte den Gastgebern noch ein 3:3-Unentschieden.

Von Beginn an präsentierten sich die Kremmener kompakt und gut organisiert. Zwar verfügte Schönow über mehr Ballbesitz, fand gegen die disziplinierte Defensive der Gäste jedoch nur selten die entscheidenden Lücken. Auch im Spiel nach vorn setzte der FCK erste Akzente. Nach einem Ballgewinn von Lukas Meyer-Kraeft an der Mittellinie kam Patrick Breyer über die rechte Seite zum Zug, dessen Ablage Meyer-Kraeft jedoch aus guter Position über das Gehäuse setzte (12.).

Die Gastgeber benötigten eine Standardsituation, um erstmals Kapital aus ihrer Feldüberlegenheit zu schlagen. Nach einem Eckball flog die Kugel wie ein Bumerang erneut im Strafraum, wo Dennis Ulbrich von FCK-Schlussmann Dave Stettin zu Fall gebracht wurde. Den fälligen Strafstoß verwandelte Dennis Aerts sicher zur Schönower Führung (22.).

Mit zunehmender Spieldauer trauten sich die Kremmener offensiv mehr zu und fanden immer häufiger Lösungen gegen die Abwehr des Favoriten. Auf der Gegenseite verhinderte Stettin im direkten Duell mit Hannes Krüger einen weiteren Gegentreffer (26.). Anschließend wurde es vor dem Schönower Tor mehrfach gefährlich. Nach einer Ecke von Meyer-Kraeft köpfte Lindemann den Ball in Richtung Grundlinie, von wo aus Timo Buer nur den Außenpfosten traf (37.).

Wenig später eröffnete Felix Kirstein das Spiel mit einem langen Pass auf Marvin Prien, dessen Flanke Breyer per Kopf verwertete – allerdings kratzte Enrico Müller den abgefälschten Versuch noch von der Linie (41.). Kurz vor dem Seitenwechsel belohnte sich der FCK schließlich für seinen mutigeren Auftritt. Prien setzte Niclas Köpke auf der linken Seite in Szene, dessen maßgenaue Flanke Breyer am zweiten Pfosten per Volley gegen die Laufrichtung von Müller zum verdienten 1:1-Ausgleich versenkte (44.).

Auch nach Wiederbeginn blieb die Begegnung offen. Zunächst musste Stettin sein Können unter Beweis stellen, als Ulbrich nach einem Vorstoß durch das Mittelfeld aus gut 16 Metern abzog und der Kremmener Schlussmann den Ball zur Seite hechtete (48.). Praktisch im Gegenzug bot sich Prien nach einem starken Schnittstellenpass von Breyer die große Gelegenheit zur Führung, doch Müller parierte aus spitzem Winkel (49.).

Schönow blieb insbesondere bei ruhenden Bällen gefährlich. Einen 35-Meter-Freistoß von Michel Seckler lenkte Stettin mit einer lenkte über die Latte (56.). Nur eine Minute später war der FCK-Keeper allerdings machtlos. Pascal Schmidt eröffnete mit einem präszisen Diagonalball auf Kenneth Wessel, dessen Hereingabe nicht verhindert wurde und am langen Pfosten durch Hannes Krüger zum 2:1 für die Hausherren verwertet werden konnte (57.).

Doch die Elf des Trainerduos Frank Schwager und Tim Wittenberg ließ sich auch vom erneuten Rückstand nicht aus dem Konzept bringen. Mit durchdachten Kombinationen und zunehmender Entschlossenheit suchten die Gäste den Weg nach vorn. Nach einem Einwurf von Köpke kombinierten sich Prien und Breyer auf engstem Raum durch die Schönower Defensive. Meyer-Kraeft kam im Strafraum zum Abschluss, doch Müller lenkte den Versuch mit der Hacke gerade noch am Tor vorbei (61.).

Der Aufwand sollte sich schließlich auszahlen. Lindemann fing einen Ball im Mittelfeld ab und leitete über Breyer den nächsten Angriff ein. Sascha Hergst tauchte frei vor Müller auf, scheiterte zunächst am Torhüter, behielt jedoch die Übersicht und schob den Abpraller zum 2:2 ins verwaiste Gehäuse (70.).

Nun war der FCK endgültig auf Augenhöhe und ließ sich auch von einer weiteren Schönower Großchance nicht beirren, als Ulbrich aus zentraler Position am Tor vorbeischoss (72.). Stattdessen schlugen die Gäste wenig später erneut zu. Ein weiter Freistoß von Stettin aus der eigenen Hälfte wurde in den Lauf des eingewechselten Yannick Djekonbe verlängert. Der Angreifer behauptete sich energisch gegen gleich zwei Gegenspieler und schob überlegt zur erstmaligen Kremmener Führung ein (76.) – 2:3.

Innerhalb von nur sechs Minuten hatten die Schwarz-Weißen das Spiel gedreht und standen nun vor einem bemerkenswerten Auswärtserfolg. Schönow erhöhte in der Schlussphase erwartungsgemäß den Druck, doch die Kremmener verteidigten ihre knappe Führung mit großem Einsatz. Lange sah es danach aus, als könnten die Gäste den Vorsprung über die Zeit bringen.

Erst in der Nachspielzeit kam der Favorit noch einmal zurück. Nach einem Tiefenpass in den Strafraum kam Stettin gegen Ulbrich zu spät und holte ihn von den Beinen, woraufhin der Schiedsrichter Jasper Eichholz erneut auf den Elfmeterpunkt zeigte. Aerts ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und verwandelte auch seinen zweiten Strafstoß zum 3:3-Endstand (90.+3).

So blieb den Kremmenern nach dem Schlusspfiff zunächst die Enttäuschung über zwei spät verlorene Punkte. Mit etwas Abstand überwog jedoch die Erkenntnis, beim Spitzenteam eine bemerkenswert reife Leistung abgeliefert zu haben. Die Gäste hielten nicht nur kämpferisch dagegen, sondern überzeugten über weite Strecken auch mit einem klaren spielerischen Plan, guten Kombinationen und der nötigen Entschlossenheit vor dem gegnerischen Tor.

FCK: Stettin – Lindemann (71. Djekonbe), Kirstein, König, Köpke (71. Kirscht), Wolff, Buer, Prien, Hergst, Meyer-Kraeft, Breyer