Pleite ohne Partykiller

Ein letztes Mal Kreisoberliga, ein letztes Mal Meistermodus – nur diesmal mit ungewohnter Rollenverteilung. Beim Saisonfinale bei Einheit Zepernick II lief der FC Kremmen in einer bunt gemischten Aufstellung auf, hatte trotz vieler Chancen aber das Spielglück nicht auf seiner Seite und unterlag am Ende mit 2:3 (1:2).

Unter der Woche waren im Training die Positionen ausgelost worden, wodurch einige kuriose Besetzungen zustande kamen. Tim Wittenberg aus dem Trainerstab stand zwischen den Pfosten, während die eigentlichen Keeper Mike Koger und Dave Stettin als Feldspieler aufliefen. Koger agierte auf der Sechs, Stettin auf der Zehn. In der Innenverteidigung fanden sich mit Lennhardt Meyhöfer und Marvin Prien zwei Spieler wieder, die ihre Stärken sonst eher in der Offensive einbringen.

Dass die Abläufe in dieser ungewohnten Ordnung nicht sofort greifen konnten, zeigte sich früh. Ein Diagonalball von Mike Koger wurde abgefangen, Sepp Kluge startete über rechts durch und brachte die Kugel in den Strafraum, wo Patrick Doberschütz am langen Pfosten zum 1:0 einschob (9.). Kremmen brauchte etwas, um Ordnung und Zugriff zu finden.

Nach einem Ballgewinn von Koger segelte eine Flanke über die Zepernicker Abwehr, Patrick Breyer stand frei vor Keeper Hendrik Zimmer, wollte diesen ausgucken, scheiterte aber am Fuß des Torhüters (25.). Auf der Gegenseite wurde es nach einem Steilpass auf Cornel Platow gefährlich, der den Ball links noch vor der Grundlinie erreichte und nach innen gab. Im FCK-Tor klärte Wittenberg zunächst im Pressschlag, ehe der Abpraller bei Kluge landete, der nur die Latte traf (29.).

Auch aus der Distanz meldete sich der Meister an. Lennhardt Meyhöfer fasste sich aus rund 25 Metern ein Herz und zwang Zimmer mit einem satten Strahl zur Parade (32.). Kurz darauf nutzte Zepernick jedoch erneut die Tiefe über rechts. Kluge lief wieder durch, seine Eingabe rutschte bis an den langen Pfosten durch, wo Platow frei stand und auf 2:0 stellte (36.).

Erst in der Schlussphase der ersten Hälfte fanden die Kremmener offensiv besser zueinander. Eine schöne Stafette über Philipp Hornemann, Jonas Arndt, Breyer und Sascha Hergst landete bei Prien, der die Kugel jedoch am Tor vorbeischob (38.). Kurz vor der Pause funktionierte es dann deutlich zielstrebiger. Nach einem Abstoß von Wittenberg nahm Hergst den Kopfball eines Gegners auf und schickte Prien klasse in die Tiefe. Der mittlerweile wieder auf den Außen eingesetzte Wirbelwind blieb ruhig und traf in die lange Ecke zum 2:1 (44.).

Fast hätte der FCK den Ausgleich noch vor dem Seitenwechsel nachgelegt. Prien bediente Hergst stark im Strafraum, doch statt selbst abzuschließen, legte dieser zu uneigennützig quer. Breyer wurde vor dem freien Tor gerade noch geblockt (45.). Nach der Pause war sofort wieder Musik drin. Breyer legte vom Anstoß weg auf Hergst ab, der knapp hinter der Mittellinie direkt abzog.

Zimmer musste sich mächtig strecken und lenkte den Schuss aus über 40 Metern über die Latte (46.). Zepernick blieb aber keineswegs nur Zuschauer. Eine Flanke von Kluge nahm Doberschütz volley, Wittenberg klärte den Versuch mit der Pike zur Ecke (49.). Aus einem Standard heraus stellte Einheit den alten Abstand wieder her. Jonny Ratajczak brachte die Ecke in den Strafraum, am zweiten Pfosten legte Johannes Klauser per Kopf ab, und Kluge drückte den Ball aus zwei Metern zum 3:1 über die Linie (55.).

Marco Meißner hatte die Formation zu diesem Zeitpunkt bereits wieder etwas näher an das gewohnte Grundgerüst geschoben. Der FCK übernahm mehr Kontrolle, fand nun häufiger Lücken und erspielte sich genügend Möglichkeiten, um die Partie noch zu drehen. Breyer legte quer auf Hergst, der völlig blank aus drei Metern an Zimmer nicht vorbeikam (63.). Kurz darauf lief ein Konter über Breyer, der Prien in Szene setzte, doch dessen Abschluss aus spitzem Winkel parierte der Zepernicker Schlussmann erneut (66.).

Auch Felix Kirstein sorgte über die rechte Seite für Gefahr. Nach einem starken Solo über fast die komplette Außenbahn brachte er die Eingabe in den Strafraum, wo Breyer frei zum Abschluss kam, den Ball aber über das Tor setzte (68.). Die Chancenverwertung blieb an diesem Tag der größte Spielverderber des FCK.

Trotzdem steckte Kremmen nicht auf. Kevin Hergt spielte lang zwischen die Innenverteidiger, Breyer setzte sich durch und lupfte den Ball über Zimmer hinweg zum 3:2 (76.). Nun war wieder alles offen. Eine kurze Freistoßvariante von Koger auf Hergst endete mit einem Distanzschuss, der nur knapp am Tor vorbeiging (82.). Kurz vor Schluss hatte Hergst noch einmal die dicke Gelegenheit, jagte den Ball aus nächster Nähe aber mit Gewalt hauchdünn vorbei (87.).

So blieb es bei einer Niederlage, die angesichts der vielen besten Möglichkeiten vermeidbar war. Zepernick nutzte die Kremmener Unordnung in den entscheidenden Momenten konsequenter, während der FCK vorne zu viel liegen ließ. Bei aller sportlichen Unzufriedenheit passte dieser Nachmittag dennoch zum besonderen Rahmen: Der Kreismeistertitel war seit der Vorwoche sicher, der Aufstieg längst unter Dach und Fach – und nach dem Schlusspfiff durfte der Fokus endgültig auf Feiern, Erinnerungen und eine außergewöhnliche Saison wandern.

FCK: Wittenberg – Meyhöfer, Prien, Paulig, Olianetskyi (58. Hergt), Koger, P. Hornemann, J. Arndt (58. Kirstein), Breyer, Stettin (26. Hergst), Matuschak (58. König)