Pitschnass, erschöpft, aber am Ziel: Der FC Kremmen hat sich am vorletzten Spieltag nicht nur mit 4:2 (2:0) beim FSV Fortuna Britz durchgesetzt, sondern wenige Minuten später auch die Nachricht erhalten, auf die Mannschaft, Fans und Verein so lange hingearbeitet hatten. Durch die Schützenhilfe aus Löwenberg war der Kreismeistertitel perfekt – und damit auch der Aufstieg in die Landesklasse, der den Kremmenern zuletzt vor 26 Jahren gelungen war.
Dabei war von Beginn an zu spüren, dass der FCK nach den jüngsten Rückschlägen keine weiteren Zweifel aufkommen lassen wollte. Die Gäste starteten mit viel Überzeugung, liefen früh an, suchten immer wieder die Tiefe über die Flügel und setzten die Britzer Defensive sofort unter Druck. Schon nach wenigen Sekunden hätte die Partie in die gewünschte Richtung kippen können. Nach einer Flanke von Mike Koger köpfte Lukas Kraeft an die Unterkante der Latte, den Nachschuss von Felix Kirstein rettete Fortuna-Keeper Nick Verbeek auf der Linie (1.).
Kremmen blieb dran und verbuchte auch die nächste gute Möglichkeit. Kirstein schickte Lennhardt Meyhöfer, der sich auf der rechten Seite durchsetzte und Kraeft bediente. Dessen strammer Abschluss von halbrechts zwang Verbeek zur nächsten Parade (5.). Die Schwarz-Weißen bestimmten das Geschehen, hatten Ballbesitz, Zweikampfhoheit und das klare Chancenplus auf ihrer Seite. Die verdiente Führung fiel nach gut einer Viertelstunde, wenn auch mit einem kleinen Umweg.
Meyhöfer wollte den Ball eigentlich auf Marvin Prien stecken, spielte dabei aber unfreiwillig Doppelpass mit einem Gegenspieler, nahm die Kugel wieder auf und schlenzte sie aus knapp 20 Metern sehenswert ins lange Eck zum 0:1 (16.). Nur eine Minute später überspielte Koger die Abwehr stark mit einem hohen Ball in die Tiefe. Kraeft zog aus spitzem Winkel ab, Verbeek klärte vor die Füße von Prien, der den Nachschuss im Rutschen aus zwei Metern über das Tor setzte – eine hundertprozentige Chance (17.).
Auch danach fand Britz kaum Entlastung. Der FCK ließ defensiv praktisch nichts zu und war vorne jederzeit für den nächsten Treffer gut. Nach 26 Minuten setzte sich Kraeft gegen Tim Franken bis zur Grundlinie durch und brachte die Eingabe scharf in die Mitte. Kirstein wurde im Rutschen noch vor dem möglichen Abschluss geblockt, doch Prien stand richtig und drückte den Abpraller aus Nahdistanz zum 0:2 über die Linie (26.).
Die Hausherren, für die es tabellarisch um nichts mehr ging, waren mit diesem Zwischenstand noch gut bedient. Kremmen hätte vor der Pause weiter erhöhen können. Kirstein trieb über rechts an, brachte die Hereingabe zu Kraeft, der per Kopf auf Prien weiterleitete. Die Direktabnahme ging jedoch knapp vorbei (37.). So blieb es zur Pause bei einer hochverdienten Zwei-Tore-Führung für den Tabellenführer.
Nach dem Seitenwechsel schalteten die Gäste etwas zu früh in den Verwaltungsmodus. Britz bekam nun mehr Raum, agierte druckvoller und verlagerte das Spiel häufiger in die Kremmener Hälfte. Dem FCK fehlte in dieser Phase teilweise der Zugriff, auch wenn die Defensive zunächst nicht ernsthaft ins Schwimmen geriet. Aus einem Standard heraus wurde es dann trotzdem eng. Lukas Schneider brachte einen Freistoß hoch in den Strafraum, Theodor Hinz köpfte quer und Tim Franken drückte den Ball aus der Luft mit dem Fuß zum 1:2 über die Linie (64.).
Der Anschluss rüttelte Kremmen wieder wach. Bei mittlerweile monsunartigem Regen nahm der FCK den Kampf erneut an und suchte wieder entschlossener den Weg nach vorne. Nach einer Flanke von Philipp Hornemann kam Koger zum Kopfballaufsetzer, doch Verbeek streckte sich und lenkte den Ball zur Ecke (81.).
Die Entscheidung fiel schließlich durch einen Doppelschlag von Kraeft. Zunächst nahm der Angreifer einen Britzer Fehlpass auf, suchte Patrick Breyer, bekam die Kugel im Doppelpass zurück und schob überlegt zum 1:3 ein (84.). Nur zwei Minuten später zog Kirstein von der rechten Außenbahn nach innen und steckte perfekt auf Kraeft durch, der erneut cool blieb und auf 1:4 stellte (86.).
Trotz der klaren Führung bekam der Schlusspunkt noch eine besondere Note. Mark Lindemann stieg im Strafraum mit offener Sohle zu hart gegen Hinz ein, Schiedsrichter Jarno Schimke entschied zurecht auf Elfmeter (90.+2.). Das Spiel wurde danach kurz unterbrochen, um den langjährigen Britzer Spielertrainer Enrico Jürgens mit einem Spalier beider Mannschaften zu verabschieden. Jürgens wechselte sich anschließend selbst ein und verwandelte den Strafstoß ohne Gegenwehr von Dave Stettin zum 2:4-Endstand (90.+2.).
Kurz darauf kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Pitschnass, aber überglücklich nahm der FC Kremmen nicht nur drei Punkte aus Britz mit, sondern auch die frohe Botschaft aus Löwenberg. Das Remis gegen Verfolger Lichterfelde/Finow machte den Kreismeistertitel endgültig perfekt. Was über die gesamte Saison gewachsen war, wurde an diesem verregneten Nachmittag zur Gewissheit: Der FCK steigt in die Landesklasse auf.
Bis tief in die Nacht feierten Mannschaft, Trainerteam und Fans den größten sportlichen Erfolg seit mehr als zwei Jahrzehnten. Ein langer Weg fand sein verdientes Ziel – mit einer Mannschaft, die Rückschläge weggesteckt, Druck ausgehalten und im entscheidenden Moment wieder geliefert hat.
FCK: Stettin – Matuschak, Lindemann, Kretschmer, König, Koger (82. Breyer), P. Hornemann, Meyhöfer (72. Bach), Kirstein, Prien, Kraeft






