Was für ein Fußballnachmittag in Kremmen! Gegen die spielstarke Reserve der SG Union Klosterfelde lag der FC Kremmen kurz vor Schluss scheinbar aussichtslos mit zwei Toren zurück, ehe eine furiose Schlussoffensive die Partie komplett auf den Kopf stellte. Drei Treffer innerhalb der letzten zehn Minuten bescherten den Gastgebern einen umjubelten 4:3-Erfolg und belohnten eine Mannschaft, die bis zum Ende an ihre Chance glaubte.
Schon nach wenigen Sekunden bot sich Klosterfeldes Erik Gottschling die Möglichkeit zur frühen Führung, doch sein Abschluss nach einem langen Ball verfehlte knapp die lange Ecke. Die Hausherren fanden anschließend gut in die Begegnung und gingen nach einer sehenswerten Offensivaktion in Führung: Gottschling brachte den Ball in den Strafraum, wo Mark Lindemann den Ball von der Stirn rutschte und so Marcus James Sims ungewollt vorlegte, der zur Stelle war und die Kugel in die rechte Ecke jagte – 0:1 (12.)
Die Gäste aus dem Barnim präsentierten sich allerdings als äußerst ballsicherer und kombinationsstarker Gegner. Mit viel Bewegung, schnellen Kombinationen und technisch sauberem Spiel setzten sie den Kremmenern auf dem regennassen Rasen zu und zwangen die Gastgeber zu defensiver Schwerstarbeit. Nach rund 20 Minuten gelang es dem FCK zunehmend, das hohe Tempo besser zu kontrollieren und selbst wieder gefährlicher nach vorn zu spielen. Eine große Möglichkeit zum Ausbau der Führung blieb jedoch ungenutzt, als Lukas Lück nach einer schnell vorgetragenen Kombination über Niclas Köpke, Marvin Prien, Lukas Meyer-Kraeft und Patrick Breyer freistehend am Tor vorbeischob (24.).
Besser machte es wenig später Sascha Hergst. Erst setzte er im Mittelfeld entschlossen nach und zog dann aus rund 30 Metern kurzerhand ab. Sein wuchtiger Schuss schlug unhaltbar im Winkel ein und brachte dem FCK den Ausgleich (32.). Kurz vor der Pause fehlte den Kremmenern bei einer Lindemann-Flanke noch das nötige Glück, als der Ball vom Innenpfosten in die Arme des Union-Torhüters Cedric Stange sprang. Auf der Gegenseite nutzte Union eine Ecke von Damian-Timon Reinicke: Gottschling stand im Hintergrund völlig frei und vollendete per Volley zur 2:1-Pausenführung für die Gäste (40.).
Nach dem Seitenwechsel entwickelte sich eine intensive Begegnung, in der die Gäste weiterhin mit viel Tempo und großer Beweglichkeit auftraten. Die Mannschaft von Trainerduo Frank Schwager und Tim Wittenberg hielt mit Leidenschaft dagegen und warf sich in zahlreiche Zweikämpfe, um Klosterfelde möglichst wenig Raum zu lassen. Dennoch blieb Union gefährlich und stellte die Kremmener vor weitere Herausforderungen. Auf der Gegenseite fehlte dem FCK zunächst das nötige Quäntchen Glück: Nach einer starken Kombination über Prien und Breyer setzte Meyer-Kraeft den Ball an den Innenpfosten, der kuro vor der Linie lang trudelte. Der Nachschuss von Lucas Lück wurde auf der Linie abgewehrt (49.).
Auch die Gäste blieben jederzeit in Tornähe. Justin-Gil Reisner überlupfte FCK-Schlussmann Dave Stetin, doch Jakob Wolff rettete mit einer Kopfballaktion noch vor der Linie (67.). Wenig später war die Kremmener Abwehr dann geschlagen: Eine Flanke konnte nicht entscheidend unterbunden werden, Reisner stand am langen Pfosten bereit und drückte die Kugel etwas kurios zum 1:3 ein (72.).
Vieles deutete nun auf einen Auswärtssieg der hochveranlagten Barnimer hin. Doch wer glaubte, der FCK würde sich seinem Schicksal ergeben, wurde in der Schlussphase eines Besseren belehrt. Die Gastgeber bewiesen Moral, erhöhten den Druck und nutzten ihre Möglichkeiten nun konsequent. Eine präzise Diagonalverlagerung von Tom Matuschak leitete die Wende ein: Niclas Köpke wurde auf der linken Seite bedient und schickte Meyer-Kraeft, dessen Rückpass Patrick Breyer im Fünfmeterraum zum Anschlusstreffer einschob (81.).
Nur zwei Minuten später bebte der Sportplatz erneut. Meyer-Kraeft brachte eine Flanke nach innen, Breyer stieg am langen Pfosten hoch und nickte aus kurzer Distanz zum 3:3 ein (83.). Innerhalb kürzester Zeit hatte Kremmen den Zwei-Tore-Rückstand egalisiert und die Partie wieder völlig geöffnet.
Doch damit nicht genug: In der Nachspielzeit trieb Köpke einen letzten Angriff nach vorn und leitete über Meyer-Kraeft den entscheidenden Vorstoß ein. Buer startete links in die Tiefe, wurde am Hacken getroffen, setzte seinen behrzten Sprint jedoch fort und vollendete aus spitzem Winkel in die kurze Ecke. Der 4:3-Siegtreffer versetzte Spieler, Verantwortliche und Zuschauer in Ekstase – ein Schlusspunkt, der den leidenschaftlichen Einsatz der Gastgeber eindrucksvoll belohnte (90.+1).
Der FC Kremmen bezwang damit eine Klosterfelder Mannschaft, die über weite Strecken spielerisch überzeugte und den Gastgebern alles abverlangte. Umso bemerkenswerter war die Reaktion des FCK nach dem vermeintlich vorentscheidenden 1:3. Mit mutigen Tiefenläufen, guten Spielverlagerungen und großem Willen nutzten die Kremmener die Räume auf den Flügeln und kamen immer wieder in den Rücken der gegnerischen Abwehr. Drei Treffer in den letzten zehn Minuten machten aus einer scheinbar verlorenen Partie einen viel umjubelten Heimsieg – und lieferten den Beweis, dass sich Einsatz und Glaube bis zur letzten Sekunde auszahlen können.
FCK: Stettin – Lindemann (72. Matuschak), Kirstein, Wolff, Köpke, Buer, Meyer-Kraeft, Lück (82. Meyhöfer), Prien (72. König), Hergst, Breyer










