Die Ungeschlagen-Serie ist nun auch in der Liga futsch! Für die Erste kam dieser Moment ausgerechnet im Topspiel beim direkten Verfolger SpG Lichterfelde/Finow. Nach einer verschlafenen ersten Halbzeit, einem frühen Nackenschlag und zu wenig Durchschlagskraft trotz doppelter Überzahl musste sich der Tabellenführer mit 2:3 (0:3) geschlagen geben und kassierte damit die erste Punktspiel-Niederlage der Saison.
Der Kremmener Matchplan war schnell Makulatur. Eigentlich wollte die Meißner-Elf aus einer gesicherten Ordnung heraus über Umschaltmomente gezielte Nadelstiche setzen. Nicht einmal zwei Minuten waren gespielt, da wurde dieses Vorhaben bereits über den Haufen geworfen. Nach einer diagonalen Seitenverlagerung auf die linke Seite kam Tristan Kretschmer ins Hinterherlaufen, Mike Koger erschien zu spät vor dem Ball und holte Edgar Weiland im Strafraum von den Beinen. Den fälligen Elfmeter verwandelten die Gastgeber sicher zur frühen Führung (3.).
Dieser Treffer spielte Lichterfelde/Finow komplett in die Karten. Die Hausherren wirkten wacher, spielerisch klarer und wussten vor allem im Zentrum die großen Lücken auszunutzen. Nach einem Zuspiel aus dem Zentrum auf Dwayne Kaßner ließ dieser Mark Lindemann aussteigen und traf präzise in die lange Ecke zum 2:0 (17.). Kremmen fand nur punktuell Entlastung, kam aber dennoch zu einer dicken Möglichkeit. Ein langer Ball von Lindemann über rechts brachte Lukas Kraeft in Flankenposition. Seine Hereingabe senkte sich an die Latte, den Abpraller setzte Marvin Prien an den Pfosten (22.).
Kurz darauf tankte sich Kraeft mit einem Solo durch und traf aus spitzem Winkel nur das Außennetz (26.). Es waren Momente, die Hoffnung machten, jedoch zu selten sauber zu Ende gespielt wurden. Die Gastgeber blieben die reifere Mannschaft, kombinierten zielstrebiger und bestraften die fehlende Kremmener Kompaktheit beinahe erneut. Koger hielt frei vor Frank Niemann stark und verhinderte zunächst den dritten Gegentreffer (33.). Tief in der Nachspielzeit des ersten Durchgangs war der FCK-Schlussmann dann machtlos. Tobias Koepnick verwandelte einen Freistoß aus rund 20 Metern direkt zum 3:0 (45.+3).
Mit diesem Zwischenstand ging es in die Kabine – und damit war klar: Für die Schwarz-Weißen brauchte es nach der Pause mehr als nur eine kleine Korrektur. Tatsächlich meldeten sich die Gäste schnell zurück. Kraeft nahm einen Ballverlust der Spielgemeinschaft auf, zog mit Tempo in den Strafraum und legte quer auf Prien, der im Rutschen zum 3:1 verkürzte (47.). Nur eine Minute später probierte es Niclas Köpke aus der zweiten Reihe, doch George Burghause packte im Nachfassen sicher zu (48.).
Der Anschluss brachte Schwung, aber noch keine echte Linie. Immer wieder fehlte die Präzision im letzten Pass oder die passende Entscheidung in Tornähe. Nach einem diagonalen Zuspiel von Sascha Hergst war Felix Kirstein zunächst völlig frei, geriet dann unter Druck, wurschtelte sich trotzdem durch und verfehlte aus kurzer Distanz das Ziel (57.). Kurz darauf schwächte sich Lichterfelde/Finow selbst. Khalid El-Ahmar sah nach überhartem Einsteigen gegen Jerome König die Rote Karte (61.). Wenige Minuten später flog Koepnick wegen Unsportlichkeit mit Gelb-Rot vom Platz (65.).
Nun schien der Weg für eine Kremmener Schlussoffensive frei. Doch die gewählten Mittel blieben zu oft ungelenk. Statt flach in die Tiefe zu kommen und das Tempo der Flügelspieler sowie Spitzen zu nutzen, suchte der FCK häufig die Brechstange. Viele lange Bälle wurden leichte Beute für Burghause und seine Vorderleute, die sich trotz Unterzahl tief einigelten und die Führung erstaunlich komfortabel verteidigten.
Erst eine feinere Aktion brachte die Partie noch einmal richtig zum Kochen. Hergst überflankte die Abwehr, Kraeft legte im Strafraum quer und Prien drückte die Kugel am langen Pfosten zum 3:2 über die Linie (74.). Jetzt war wieder alles offen, doch der große Druck blieb aus. Kremmen versuchte viel, wirkte dabei aber zu hektisch und selten wirklich zwingend. Eine Flanke von Jerome König klatschte noch an die Latte und hätte beinahe für den späten Ausgleich gesorgt (84.).
Mehr sprang jedoch nicht heraus. Lichterfelde/Finow rettete den Vorsprung über die siebenminütige Nachspielzeit und verdiente sich den Sieg vor allem mit einer starken ersten Halbzeit. Kremmen zahlte für einen verschlafenen Start, fehlende Balance im Zentrum und zu wenig klare Lösungen gegen tief stehende Gegner. Im Saisonendspurt muss der Tabellenführer an den richtigen Stellschrauben sowohl taktisch als auch spielerisch drehen, um den Platz ganz oben zu verteidigen.
FCK: Koger – Matuschak, Lindemann (90.+1 P. Hornemann), Kretschmer (73. Pfaff), König (90.+1 J. Arndt), Lemcke, Kraeft, Kirstein (83. Olianetskyi), Prien, Hergst, Köpke




