Manchmal verliert man ein Spiel nicht in den 90 Minuten davor, sondern in genau einem Moment, in dem eigentlich nichts mehr passieren darf. Der FCK hatte gegen den Löwenberger SV zumindest einen Punkt schon halb in der Tasche, verzockte sich aber tief in der Nachspielzeit bei einem eigenen Freistoß am gegnerischen Strafraum und kassierte durch den folgenden Konter noch das bittere 1:2 (0:0). Damit schrumpft der Vorsprung an der Tabellenspitze weiter zusammen.
Die erste Halbzeit lebte weniger von spielerischer Leichtigkeit als von vielen intensiven Zweikämpfen. Beide Teams beharkten sich früh im Mittelfeld, wobei die Gäste zunächst die etwas besseren spielerischen Mittel fanden. Nach einer Ecke von Bryan Reich kam Niklas Engel am langen Pfosten zum Kopfball, setzte diesen jedoch über das Tor (16.). Wenig später brachte Tim Maasch eine Flanke in den Strafraum, wo Fin Neye frei zum Abschluss kam und ebenfalls vorbeiköpfte (20.). Auch aus der zweiten Reihe wurde es gefährlich, doch Neyes Versuch strich knapp drüber (23.).
Kremmen mühte sich, die Löwenberger Defensive auseinanderzuziehen, blieb mit den entscheidenden Zuspielen aber zu oft hängen. Gerade über die rechte Seite entstanden zwar einige vielversprechende Ansätze, im letzten Drittel fehlten jedoch Genauigkeit, Ruhe und die passende Entscheidung. Kurz vor dem Pausenpfiff zeigte sich dann doch noch ein sauberer Angriff. Flach wurde über Philipp Pfaff verlagert, Marvin Prien schickte Lukas Kraeft, der Justin Trupke aussteigen ließ, seinen Abschluss aber überhastet deutlich über das Gehäuse setzte (45.).
Nach dem Seitenwechsel schien der Knoten zunächst zu platzen. Kraeft behauptete sich gegen Engel, blieb im Strafraum stabil und vollendete perfekt in die lange Ecke zur Kremmener Führung (48.). Statt nun Sicherheit zu gewinnen, sah sich der Tabellenführer jedoch schnell einer kleinen Abwehrschlacht ausgesetzt. Besonders bei ruhenden Bällen strahlten die Gäste immer wieder Gefahr aus. Nach einer Ecke von Maasch köpfte Malte Nimtz aufs Tor, Dave Stettin parierte stark, der Nachschuss wurde auf der Linie geblockt, ehe David Glaub im dritten Anlauf in den Winkel traf – 1:1 (56.).
Die Schwarz-Weißen suchten nun wieder nach einer Antwort. Ein Freistoß von Sascha Hergst landete zunächst bei Felix Kirstein, dessen Versuch geblockt wurde, ehe Mark Lindemann den Nachschuss vorbeisetzte (59.). Nur zwei Minuten später lag der Ball vermeintlich im Löwenberger Netz. Der eingewechselte Mike Koger, an diesem Tag nicht im Tor, sondern im defensiven Mittelfeld eingesetzt, überflankte die Abwehr. Kraeft lief durch und schob erneut in die lange Ecke ein, doch Schiedsrichter Hugo Dittmann erkannte den Treffer wegen eines angeblichen Fouls von Kirstein zuvor nicht an. Besonders ärgerlich: Kirstein war in der Szene selbst an der Hacke getroffen worden (61.).
Löwenberg blieb vor allem nach Standards gefährlich. Wieder segelte eine Ecke von Maasch in den Strafraum, Nimtz kam zum Kopfball und setzte diesen knapp über die Latte (75.). Kremmen versuchte, über Umschaltmomente zurückzuschlagen, blieb mit seinen Abschlüssen aber zu harmlos. Prien setzte sich stark gegen Nimtz durch, doch sein Schuss aus 16 Metern geriet zu drucklos und unpräzise (77.). Nach schnellem Abwurf von Stettin entstand die nächste dicke Gelegenheit: Kraeft wurde in die Spitze geschickt, Prien ließ Trupke stehen, scheiterte aber am Keeper (83.).
Als sich vieles schon auf ein Unentschieden einpendelte, leisteten sich die Hausherren die spielentscheidende Unachtsamkeit. Ein eigener Freistoß am gegnerischen Strafraum wurde mit zu viel Klein-Klein verspielt, der Ballverlust flog den Kremmenern sofort um die Ohren. Der lange Schlag von Glaub landete bei Maasch, der Jerome König stehen ließ und in die lange Ecke zum späten 1:2 (90.+2) traf .
Danach blieb kaum noch Zeit für eine Reaktion. Unter dem Strich steht eine Niederlage, die brutal weh tut, weil sie in der Entstehung vermeidbar war. Löwenberg fand über weite Strecken die klareren spielerischen Lösungen und war bei Standards präsenter, während dem FCK im letzten Drittel zu oft die letzte Konsequenz und auch das Spielglück fehlte. Der späte Konter setzte schließlich den bitteren Schlusspunkt unter einen Nachmittag, an dem Kremmen mindestens einen Zähler leichtfertig aus der Hand gab.
FCK: Stettin – Pfaff, Lindemann, Kretschmer, J. Arndt (80. König), P. Hornemann, Meyhöfer (46. Koger), Kirstein, Prien, Kraeft, Hergst





